Besonderen Besuch erhielt das BSZ dabei aus der Bundespolitik: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lina Seitzl, die während ihrer Schulzeit selbst ein Auslandsjahr in Finnland verbrachte, und Andreas Jung (CDU) waren der Einladung der Schule gefolgt. Gerade der Besuch von Andreas Jung erhielt dabei zusätzliche Aufmerksamkeit: Erst kurz zuvor war bekannt geworden, dass er Teil des neuen grün-schwarzen Kabinetts in Baden-Württemberg werden und künftig als Kultusminister Verantwortung in Stuttgart übernehmen soll. Jung selbst ordnete sich dabei augenzwinkernd als jemand ein, der sich „gerade zwischen zwei Welten" bewege. Trotz des anstehenden Wechsels habe er es möglich gemacht, diese persönliche Zäsur noch mit dem geplanten Besuch am BSZ zu verbinden, ehe er zügig zu weiteren Terminen nach Stuttgart aufbrechen musste.
Im Mittelpunkt des Europatags standen verschiedene Projekte des BSZ, die Europa, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verknüpfen. In einem sogenannten „Gallery Walk" präsentierten Schüler/-innen ihre Arbeit und kamen mit den beiden Gästen ins Gespräch.
Vorgestellt wurde unter anderem das Projekt „Donau Online", ein internationales Bildungsprojekt entlang des Donauraums, das Schulen verschiedener europäischer Länder digital miteinander vernetzt und den interkulturellen Austausch stärkt. Ebenso präsentierte das BSZ seine Erasmus+-Aktivitäten. Das Förderprogramm der Europäischen Union ermöglicht Schüler/-innen und Lehrkräften internationale Begegnungen, Auslandsaufenthalte und Kooperationen mit Partnerschulen in Europa. Auch „Lions Quest" wurde vorgestellt – ein Programm zur Förderung sozialer Kompetenzen, Persönlichkeitsentwicklung und Demokratiefähigkeit junger Menschen.
Die Politikerin und der Politiker nutzten den Gallery Walk intensiv, um mit den beteiligten Schülern ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Einblicke in die vielfältigen Projekte des BSZ zu gewinnen. Lina Seitzl hatte dabei auch ihren Reisepass mitgebracht, um die europäische Reisefreiheit greifbar zu machen. Diese sei „keine Selbstverständlichkeit", betonte sie und warb dafür, die Chancen Europas aktiv zu nutzen.
Im weiteren Verlauf des Vormittags stand eine gemeinsame Diskussionsrunde auf dem Programm. Schüler/-innen aus verschiedenen Klassen diskutierten mit Lina Seitzl und Andreas Jung über Europa, aktuelle politische Herausforderungen sowie gesellschaftliche und demokratische Entwicklungen. Themen waren unter anderem Demokratie und Teilhabe, Erfahrungen im Ausland, Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Agrarpolitik, Biodiversität, die Rolle der USA sowie Zukunftsängste vieler junger Menschen. Ebenso ging es um den Alltag als Politiker/-in und die Herausforderungen des politischen Berufs. Seitzl berichtete dabei über ihren abwechslungsreichen Alltag zwischen dem Kreis Konstanz und dem Bundestag in Berlin.
Andreas Jung betonte mehrfach seine enge Verbundenheit mit Europa: Er sei „von ganzem Herzen Europäer", gerade auch der Frieden sei ein großes Geschenk Europas. Zudem schilderte er seine persönliche Nähe zu Frankreich, wo er bereits seit Kindheitstagen – oft mit seiner Familie in der Bretagne – Zeit verbracht habe. Europa lebe davon, es erlebbar zu machen, sich zu begegnen sowie Sprachen zu lernen und zu sprechen. Lina Seitzl hob insbesondere die Chancen hervor, die Europa jungen Menschen eröffne: Es gehe darum, aus dem Trott herauszukommen, Europa zu erleben, „sich zu challengen", sich mit Freiheiten auseinanderzusetzen und Chancen zu nutzen – verbunden mit einem Appell, den eigenen Blick zu weiten.
Organisiert wurde der Europatag insbesondere von Lehrerinnen Verena Bernhard und Agata Vogel sowie den Erasmus+-Koordinatorinnen Ellen Finus und Iris van Overstraeten. Schulleiter Markus Zähringer lobte das große Engagement der Beteiligten sowie das Interesse und die Offenheit der Schüler/-innen. Andreas Jung wünschte er zugleich für seine neuen Aufgaben viel Erfolg und griff dabei sinngemäß Hermann Hesses bekannte Zeile auf, wonach jedem Anfang ein Zauber innewohne. Als symbolisches Geschenk überreichte Zähringer unter anderem eine nachhaltige Uhr aus der Holzabteilung der Schule – als Zeichen dafür, „wie die Zeiten ticken".
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